Biografie

1699 - 1722

Johann Adolph Hasse wurde in der Kirche von St. Petri und Pauli in Bergedorf am 25. März 1699 getauft. (Heute ist das Hasse-Geburtshaus Sitz des Hasse-Archivs und der Gesellschaft Bergedorf.)Sein Großvater, sein Vater, später sein jüngerer Bruder waren die Organisten an dieser Kirche.
Wie Bach stammte er aus einer ziemlich weit verzweigten alten Kirchenmusikerfamilie. Unterricht in Gesang und Klavier (also Orgel, Cembalo) hatte er schon als Kind, sang als Sopran in der Kurrende mit. 1714 ging der 15-jährige Johann Adolph Hasse mit einem Stipendium nach Hamburg.Als junger Tenor sang Hasse unter der Leitung von Johann Mattheson, dem großen und universellen Musiker, Musikerzieher, Musikschriftsteller und Komponisten, Rollen in Oratorien. Wie Händel, nur einige Jahre später, kam er durch Mattheson an der Hamburger Oper, dem ersten deutschen Operntheater jener Zeit, mit deutschen, aber italienisch ausgerichteten Opern in Berührung, insbesondere mit den Werken von Reinhard Keiser. Der musikalische Stil dieses bedeutenden Komponisten, den Hasse allerdings nie persönlich traf, hat ihn stark beeinflusst.
Vermutlich wurde Hasse nach seinen ersten Auftritten in Oratorien zuerst Tenorist an der Gänsemarktoper, begann auch zu komponieren und ging dann nach Braunschweig, wo er sang, komponierte und dirigierte. Er brachte dort am 11. 8. 1721 seine erste Oper (Antioco) heraus, in der er selbst die Titelrolle sang. Sicherlich sang Hasse 1721 in Braunschweig auch in den Wiederaufnahmen von Keisers Hamburger Oper Die großmütige Tomyris. Der Braunschweiger Fürst, Herzog August Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel, und der Braunschweiger Intendant, Komponist, Sänger und Dirigent Schürmann waren offensichtlich beeindruckt und schickten den jungen Mann zur Weiterbildung nach Italien, Neapel.
Schon bald war Hasse der Caro Sassone* der Italiener

1722 - 1730

Hasse lernte bei Nicola Porpora, wie vor ihm Händel, Farinelli, die Tesi und nach ihm noch die spätere sächsische Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis. Bald wechselte er (als letzter Schüler) zu Alessandro Scarlatti, dem eigentlichen Begründer der italienischen Opernschule des 18. Jahrhunderts; Generationen von Komponisten sind in seiner Schuld. Scarlatti starb bald, aber Johann Adolf war schon bereit: Mit Vittoria Tesi und Carlo Broschi alias Farinelli in den Titelrollen (Die Tesi hatte schon bei der Eröffnung des neuen Dresdner Opernhauses 1719 unter Lotti gesungen) erzielte der 26-jährige Ausländer in Neapel 1725 seinen künstlerischen Durchbruch mit der Serenata Marc`Antonio e Cleopatra. Bevor Hasse Anfang 1730 nach Venedig weiterzog, hatte er bedeutende Komponisten (Leonardo Vinci, von dem er viel übernahm, Leonardo Leo, Francesco Durante; Pergolesi noch als Studenten),seinen späteren Hauptlibrettisten Metastasio, seinen späteren Kollegen Quantz und eine Reihe von fürstlichen Herrschaften und Abgesandten kennengelernt;sein Ruhm war bereits über die Alpen bis zum polnisch-sächsischen Königshof gedrungen.
Etwa sieben Opern, mindestens sechs Intermezzi, drei Serenate und zwei Buffo-Opern, darunter die Sorella amante, aus Hasses Feder waren in Neapel uraufgeführt worden. In der Lagunenstadt sangen Francesca Cuzzoni und Farinelli seine dortige erste Opernuraufführung, Artaserse. Faustina Bordoni sang in seiner zweiten Oper, Dalisa. Die beiden Diven hatten gerade einige aufregende Spielzeiten in London hinter sich, in denen sie in Händel-Opern brilliert und sich gelegentlich auch in die Haare bekommen hatten. (An diesen Primadonnen(wett)streit erinnert man sich bis heute!) Eine weitere Hasse-Oper,Arminio, hatte mit Faustina in Mailand Premiere.
Hasses Stellung als freischaffender Komponist in Venedig war durch die Theater bereits gesichert, ferner durch seine Arbeit für das Ospedale degl’ Incurabili, eines der vier hochberühmten „Konservatorien“, also Musikausbildungs und -ausübungsstätten für Waisenmädchen.Der größte Coup von 1730 aber war die Hochzeit: Am 20. Juli wurden Johann Adolf Hasse und Faustina in geheimer Zeremonie getraut: die berühmteste Primadonna ihrer Zeit und der bald auch berühmteste Komponist seiner Zeit.

1730 - 1750

In Dresden stand wohl Maria Josepha, Tochter des Kaisers und Gemahlin des sächsisch-polnischen Kronprinzen, am stärksten hinter den Bemühungen, den durch den Tod Heinichens (1683 – 1729) vakanten Posten des Hofkomponisten und Kapellmeisters mit Hasse zu füllen – und nun noch sozusagen die Cecilia Bartoli des 18. Jahrhunderts an das Theater zu binden. Der Antrittsbesuch des Ehepaares Hasse war triumphal: eine Uraufführung der Hasse-Oper Cleofide (Libretto von Boccarddi nach Metastasio Alessandro nell`Indie; Händels Vertonung war als Poro redell`Indie nur wenige Monate vorher in London uraufgeführt worden – Metastasios Libretti wurden meist vielfach vertont) mit einem Orchester voller vorzüglicher Instrumentalsolisten. Neben Faustina in der Titelrolle sangen weitere Künstler der ersten europäischen Garde. Eine prächtige Inszenierung in Europas größtem Operntheater, von Mauro und Pöppelmann erbaut und 1719 eröffnet, mit 2000 Plätzen, von innen luxuriös, von außen unscheinbar und eng an den Zwinger gebaut. Johann Sebastian Bach und sein ältester Sohn Wilhelm Friedemannwaren unter den Premieregästen.
August der Starke starb, ehe sie im Januar 1734 zurückkamen. Zusammenfallend mit der Regierungszeit von Friedrich August II. von Sachsen, August III. von Polen wurde die Dresdner Ära Hasse eines der ruhmreichsten Kapitel europäischer Operngeschichte. Johann Adolf fand ein Orchester mit hervorragenden Könnern auf ihrenInstrumenten (Konzertmeister Pisendel, Flötist Quantz, Lautenist Weiss, um nur einige zu nennen); unter seiner (und Pisendels) Führung wurde es zum vollkommensten von Europa (Urteil von Rousseau in seinem Dictionnaire de Musique, 1768).
Faustina fand kongeniale Sängerkollegen, darunter den Altisten Annibali, mit dem zusammen sie schon in Venedig auf der Bühne gestanden hatte.
Die Verpflichtungen bestanden in jährlich neuen Opern für die Karnevalszeit (Uraufführungen mit bis zu einem Dutzend Wiederholungen, Eintritt frei) und für den 7. Oktober (der damals der Geburtstag des Kurfürsten und Königs war) sowie Gelegenheitskompositionen und Aufführungen bzw. Auftritten zu zahlreichen öffentlichen und privaten Festen des Hofes, überwiegend unter Mitwirkung Faustinas. Ferner komponierte Hasse zahlreiche Messen und Oratorien für die katholische Hofmusik, in der Faustina als Frau nicht mitwirken durfte. Das Ehepaar Hasse traf in Dresden auf zahlreiche geniale Künstler, die am wachsenden Ruhm der Stadtbauten: den Erbauer der Hofkirche, Chiaveri, den Erbauer der Frauenkirche, Bähr, und weitere Architekten wie Pöppelmann, Knöffel und Longuelune, Bühnenbaukünstler wie Mauro und Galli da Bibiena, Hofpoeten wie Pallavicino und Pasquini, Hofmaler wie de Silvestre und Mengs, Thiele und Rotari, Bellotto (Canaletto) und Rosalba Carriera, Manyoki und Tiepolo, Porzellangestalter wie Kaendler und Höroldt, Bildhauer wie Mattielli und Thomae, Kupferstecher wie Zucchi und Lindemann, Goldschmiede wie die Ingermanns und natürlich Musiker wie Zelenka, Wilhelm Friedemann Bach und Homilius (auch Johann Sebastian Bach kam öfter nach Dresden). Wir wissen nicht, mit welchen die Hasses engere Kontakte pflegten; sicher mit den Hofpoeten, mit Rosalba Carriera, sicher wohl auch mit den Bachs. Die Hasses trafen hohe Staatsbesucher, so mehrere Male Friedrich II. von Preußen, für den jeweils Aufführungen von Hasse-Opern stattfanden und der mit den Hasses zusammen abendlich musizierte. (Dass Hasse viele Instrumentalwerke für die Flöte schrieb, ist wohl neben Quantz auch Friedrich zuzuschreiben.)
Bedeutsam wurde das Jahr 1747 durch die Hochzeit des Thronfolgers Friedrich Christian mit der musikbegeisterten bayerischen Prinzessin Maria Antonia Walpurgis. Die Prinzessin und spätere Kurfürstin bzw. Kurfürstin-Witwe war Schülerin von Hasse (Komposition) und von Porpora (Gesang), schrieb selbst Opern und verfasste Libretti für Hasse, insbesondere das für das berühmte Oratorium „La conversione di Sant` Agostino“ (Uraufführung Dresden 1750; Friedrich II. weihte sein Theater im Neuen Schloss von Potsdam 1762 ebenfalls damit ein).
Neben ihren Pflichten hatten die Hasses eine sehr große Freiheit, ausländischen Rufen zu folgen, was Uraufführungen von Hasse-Opern in Pesaro, Venedig, Wien, Bayreuth, Neapel und immer wieder Venedig sowie ein Besuch in Paris belegen.

1750 - 1764

Im Februar 1751 beendete Faustina 54-jährig mit letzten großen Auftritten (13 Vorstellungen von Il Ciro riconosciuto, große Oper von Hasse nach Metastasio) ihre 35-jährige Bühnenlaufbahn. Sie hatte ihr Publikum, ihre Sängerkollegen, ihren Mann inspiriert, dabei auch drei Kinder großgezogen.
Ebenfalls 1751, wurdeam29. Juni, dem Tag der Heiligen Petrus und Paulus, die neue Katholische Hofkirche geweiht. Hasse schrieb die Musik zur Weihe, ein Te Deum D-Dur und eine Messe d-Moll. Fast ununterbrochen ist seither dieses Te Deum in der Hofkirche alljährlich aufgeführt worden.Für die erste Aufführung nach der Zerstörung Dresdens 1945 rekonstruierte der Bratschist Geyer die Musik aus dem Gedächtnis, damit sie bei der Einweihung des linken Seitenschiffes als provisorischer Kirche wiederum als musikalische Weihe dienen konnte.
Zur 250-Jahr-Feier im Juni 2001 erklangen beide Werke im Festgottesdienst in der längst wiedererstandenen Kirche. Hatte Hasse bis 1751 schon eine stattliche Anzahl von Kirchenmusiken komponiert, so begann jetzt ein neuer Abschnitt in diesem Schaffen, beeinflusst unter anderem durch die schwierigen akustischen Bedingungen der Hofkirche. Hasses Musik ist der Bachs fast entgegengesetzt zu nennen: auch sie ist stark, positiv, tiefgläubig, aber dabei ohne jede Strafpredigt, musikalisch opernhaft, sehr differenziert und von einer Unbeschwertheit und gleichzeitig einer Verinnerlichung und direkten menschlichen Gefühlstiefe, von einem Chiaroscuro, das zum vielfach angestellten Vergleich mit den Gemälden Correggios führte.
Das wird unschwer erkennen, wer sich mit den bis lang ins 19. Jahrhundert hinein populären Oratorien I pellegrinial sepolcro di Nostro Signore (Die Pilger am Grabe unseres Herrn), Sant` Elena al Calvario (Die hl. Kaiserin Helena am Kalvarienberg) und La conversione di Sant’Agostino (Die Bekehrung des Hl. Augustinus) beschäftigt, die jetzt ihr Publikum langsam, aber sicher zurückerobern.
Mit Uraufführungen von Attilio Regolo (1750 noch mit Faustina), Adriano in Siria, Solimano, L ’Eroe cinese, Artemisia, einer Ezio-Revision, einem Re pastore (in Hubertusburg) und einer Olimpiade erreichte das Hassesche Gesamtkunstwerk seinen absoluten Höhepunkt. Die zweite Ezio-Vertonung bezeichnete der große Verehrer und Pfleger des Hasse-Erbes, Johann Adam Hiller, als eine der (musikalisch) schönsten Hasse-Opern; dazu kam ein unvorstellbarer Aufwand mit über 400 Statisten und fast 120 lebenden Tieren. Zwischen Artemisia und Ezio traf 1754 Raffaels Sixtinische Madonna in Dresden ein.
Am 14. Juni 1756 erteilte der Kurfürst-König Hasse das Privileg zum Druck seiner „Opern und musicalischen Werke“ (die ja Hofeigentum waren) durch Breitkopf, Leipzig (der Verlag hatte 1755 den Druck mit beweglichen Notentypen eingeführt). Es wäre die erste gedruckte Werkausgabe eines Komponisten gewesen – doch, was immer auch vorbereitet gewesen sein mag: Nach der Beschießung Dresdens durch die Preußen am 19. Juni 1760 war Hasses Wohnhaus niedergebrannt (ebenso wie das von Bernardo Bellotto). Über die Verluste wird heute noch spekuliert. Der Carus-Verlag Stuttgart brachte 1999 den ersten, preisgekrönten Band der nun neu begonnenen Werkausgabe heraus.
August III. (Friedrich August II.) war nach Polen geflohen, aber die Hofmusik war in Dresden geblieben, und Friedrich II., der bereits 1756 Dresden besetzte, musizierte wieder regelmäßig mit Hasse, hörte eine Messe von Hasse am Cäcilienfest und gestattete den Hasses dann die Ausreise nach Venedig. Hier, in seiner zweiten Heimat, wurden wiederum Opern, Oratorien und weitere kirchliche Musik von Hasse uraufgeführt. In Neapel gab es auf Einladung der aus Sachsen stammenden Königin Maria Amalie als Uraufführungen einen neuen Demofoonte, eine neue Clemenza di Tito, einen Achille in Sciro und einen neuen Artaserse.
In Wien wurden Alcide al bivio (Herkules am Scheideweg) und Il trionfo di Clelia uraufgeführt. Eine Reihe von Werken wurden in Warschau (ur)aufgeführt, Hasse war sicher im Herbst 1762 selbst dort. Im Gefolge des Königs kehrte er im April 1763 nach Sachsen zurück, und schon am 3. August hatte die Oper Siroe Premiere.
Jedoch war das leider kein Neubeginn nach dem Siebenjährigen Krieg.
August III.starb am 5. Oktober mitten in den Vorbereitungen zur Hauptprobe der OperLeucippo, die in seinen Gemächern gerade beginnen sollte.
Als kurz darauf auchsein Nachfolger, Friedrich Christian, starb, war die Ära Dresden endgültig vorbei.Requiems waren die letzte Musik, die Hasse in Dresden dirigierte.
Am 20. Februar 1764 reiste Hasse mit seiner Familie nach Wien und blieb dort bis 1773.
Fürstenau schrieb: Mit ihm entflohen die Musen. Mit Unterbrechungen begann in Dresden das Wirken des Hasse-Schülers Naumann, der nach Fischietti dann Hasses zweiter Nachfolger als Kapellmeister wurde.

1764 - 1773

Die Renten des Ehepaares Hasse waren durch Abfindungen abgegolten worden, so kam Hasse mit seiner Frau und seinen Töchtern als freier Künstler 1764 in Wien an, 65jährig.
Rückblende auf den 5. August 1762, während des Siebenjährigen Krieges: Denkwürdige Aufführung der Lauretanischen Litanei mit den Mitgliedern der Kaiserlichen Familie. Soli sangen: die Kaiserin Maria Theresia und ihre Kinder, die Erzherzoginnen Maria Anna, Christina, Elisabeth, Amalia, Johanna, Josepha, Antonia, der Erzherzog Leopold; Orgel spielte: der Erzherzog Joseph (der spätere Kaiser Joseph II.); im Tutti sangen mit: die Erzherzöge Ferdinand und Maximilian. Es war dies keine Musik für Dilettanten: Hasses Musik ist auch hier absolut anspruchsvoll und verlangt eine gediegene musikalische wie sängerische Ausbildung.
Die Kaiserin hatte eine solche unter anderem von Hasse selbst erfahren. Hasse leitete die Aufführung von der zweiten Orgel aus.
In Wien war Hasse gesuchter Ratgeber, Komponist und Lehrer. Für die Mozarts war er der „Musick-Vatter”, für Haydn „nicht nur musikalischer, sondern geistiger Vater”, für Maria Theresia und ihre Kinder der vertraute Ratgeber, Lehrer, Komponist für zahlreiche höfische Feiern.
Die Wiener hörten seine berühmt gewordenen neuen Fassungen zweier Dresdner Oratorien. Mit dem Intermezzo tragico Piramo e Tisbe brachte Hasse 1768 ein zukunftweisendes Meisterwerk heraus, Ovids antike Geschichte von Romeo und Julia erzählend.
1769 entstand als Hochzeitsode für den Hof in Schönbrunn die Kantate L’Armonica, das erste Werk (und eines der schönsten) für obligate Glasharmonika, gerade erfunden von Benjamin Franklin, ausgeführt von dessen Nichten Cecilia und Mary Ann Davies, die bei den Hasses wohnten und studierten.
Auf seiner musikalischen Europareise besuchte Charles Burney 1772 in Wien die Hasses wie auch Metastasio (und in Bologna Farinelli) und urteilte: „Hasse ist der verständigste, natürlichste und eleganteste der jetzt lebenden Komponisten… er ist gleichermaßen ein Freund der Poesie und des Gesanges…Hasse und Metastasio sind zwei Hälften eines Ganzen…”
Hasse und Metastasio bedeuteten den Gipfel der Opera seria im 18. Jahrhundert. Faustina und Farinelli waren Künstler, mit denen diese Musik ihre ideale Erfüllung fand.

1773 - 1783

Die Opern-Epoche „Hasse" ging 1771 zu Ende, als der 15-jährige Mozart mit seinem Ascanio in Alba in Mailand einen sehr deutlich größeren Erfolg feiern konnte als der 72-jährige Hasse mit Ruggiero, der Oper, die weder Metastasio noch er eigentlich schreiben wollten und die ihr Schwanengesang wurde – dennoch ein reifes Meisterwerk, dessen einzige Schwächen wohl in der damaligen Uraufführung lagen; und darin, dass es einer Zeit angehörte, die zu Ende war.
Neue Zeiten haben neue Werte, neue Maßstäbe. Dass Hasse schon „fast wie Mozart“ klänge, ist eine gänzlich irreführende Aussage; indessen ist nicht zu leugnen, dass Mozart auf seinen Schultern stand - und wir wissen, dass dem von Hasse anerkannten, 15-jährigen Genie der Ruggiero damals mächtig gut gefiel. Für Hasse hatte die Opernlaufbahn mit Piramo e Tisbe 1768/70 aufgehört.
1773 übersiedelten die Hasses mit den beiden Töchtern (der Sohn hatte schon geheiratet und schlug eine Diplomatenlaufbahn ein) nach Venedig.
Als letzte weltliche Werke schrieb Hasse die prächtigen Kantaten La danza und Il ciclope.
Großartige Kirchenmusik entstand noch für den Dresdner Hof, von Venedig aus adressiert an die Kurfürstin-Witwe Maria Antonia Walpurgis, Hasses Sachwalterin am Dresdner Hof. Zu diesen Werken gehören drei großartige Messen, ungewöhnlicherweise alle mit einer Solomotette.
Die letzte, 1783 für die Messe in g-Moll, heißt: „Ad te levavi animam meam“: der fast 85-jährige Hasse richtete, wie vor ihm der große Bach, seine letzten Worte direkt an Gott; und wir finden die zugehörige Bezeichnung: Allegro, e con spirito, ma non presto.
Bei seinem Tod im Dezember 1783 war er von seiner Ältesten, Peppina, und seinen Dienern umsorgt. Alle anderen ihm Nahestehenden, so vor allem Faustina und Metastasio, Maria Theresia und Maria Antonia Walpurgis und auch die Sänger Annibali und Farinelli waren innerhalb weniger Jahre alle vor ihm gestorben.
Mozart (1756 – 1791) und Gluck (1714 – 1787) starben nur wenige Jahre später.