Die Opern-Epoche „Hasse" ging  1771 zu Ende, als der 15-jährige  Mozart mit seinem Ascanio in Alba in Mailand einen sehr deutlich größeren Erfolg feiern konnte als der 72-jährige Hasse mit Ruggiero, der Oper, die weder Metastasio noch er eigentlich schreiben wollten und die ihr Schwanengesang wurde – dennoch ein reifes Meisterwerk, dessen einzige Schwächen wohl in der damaligen Uraufführung lagen; und darin, dass es einer Zeit angehörte, die zu Ende war.

Neue Zeiten haben neue  Werte, neue Maßstäbe. Dass Hasse schon „fast wie Mozart“ klänge, ist eine gänzlich irreführende Aussage; indessen ist nicht zu leugnen, dass Mozart auf seinen Schultern stand - und wir wissen, dass dem von Hasse anerkannten, 15-jährigen Genie der Ruggiero damals mächtig gut gefiel. Für Hasse hatte die Opernlaufbahn mit Piramo e Tisbe 1768/70 aufgehört.

1773 übersiedelten die Hasses mit den beiden Töchtern  (der Sohn hatte schon geheiratet und schlug eine Diplomatenlaufbahn ein) nach Venedig.

Als letzte weltliche Werke schrieb Hasse die prächtigen Kantaten La danza und Il ciclope.

Großartige Kirchenmusik entstand noch für den Dresdner Hof, von Venedig aus adressiert an die Kurfürstin-Witwe Maria Antonia Walpurgis, Hasses Sachwalterin am Dresdner Hof. Zu diesen Werken gehören drei großartige Messen, ungewöhnlicherweise alle mit einer Solomotette.
Die letzte, 1783 für die Messe in g-Moll, heißt: „Ad te levavi animam meam“: der fast 85-jährige Hasse richtete, wie vor ihm der große Bach, seine letzten Worte direkt an Gott; und wir finden die zugehörige Bezeichnung:  Allegro, e con spirito, ma non presto.
Bei seinem Tod im Dezember 1783 war er von seiner Ältesten, Peppina, und seinen Dienern umsorgt. Alle anderen ihm Nahestehenden, so vor allem Faustina und Metastasio, Maria Theresia und Maria Antonia  Walpurgis und auch die Sänger Annibali und Farinelli waren innerhalb weniger Jahre alle vor ihm gestorben.

   
Mozart (1756 – 1791) und Gluck  (1714  – 1787) starben nur wenige Jahre später.