Hasse lernte bei Nicola Porpora, wie vor ihm Händel, Farinelli, die Tesi und nach ihm noch die spätere sächsische Kurfürstin Maria Antonia Walpurgis. Bald wechselte er (als letzter Schüler) zu Alessandro Scarlatti, dem eigentlichen Begründer der italienischen Opernschule des 18. Jahrhunderts; Generationen von Komponisten sind in seiner Schuld. Scarlatti starb bald, aber Johann Adolf war schon bereit:
Mit Vittoria Tesi und Carlo Broschi alias Farinelli in den Titelrollen (Die Tesi hatte schon bei der Eröffnung des neuen Dresdner Opernhauses 1719 unter Lotti gesungen) erzielte der 26-jährige Ausländer in Neapel 1725 seinen künstlerischen Durchbruch mit der Serenata Marc`Antonio e Cleopatra. Bevor Hasse Anfang 1730 nach Venedig weiterzog, hatte er bedeutende Komponisten (Leonardo Vinci, von dem er viel übernahm, Leonardo Leo, Francesco Durante; Pergolesi noch als Studenten), seinen späteren Hauptlibrettisten Metastasio, seinen späteren Kollegen Quantz und eine Reihe von fürstlichen Herrschaften und Abgesandten kennengelernt; sein Ruhm war bereits über die Alpen bis zum polnisch-sächsischen Königshof gedrungen.

Etwa sieben Opern, mindestens sechs Intermezzi, drei Serenate und zwei Buffo-Opern, darunter die Sorella amante, aus Hasses Feder waren in Neapel uraufgeführt worden. In der Lagunenstadt sangen Francesca Cuzzoni und Farinelli seine dortige erste Opernuraufführung, Artaserse. Faustina Bordoni sang in seiner zweiten Oper, Dalisa.  Die beiden Diven hatten gerade einige aufregende Spielzeiten in London hinter sich, in denen sie in Händel-Opern brilliert und sich gelegentlich auch in die Haare bekommen hatten. (An diesen Primadonnen(wett)streit erinnert man sich bis heute!) Eine weitere Hasse-Oper, Arminio, hatte mit Faustina in Mailand Premiere.

Hasses Stellung als freischaffender Komponist in Venedig war durch die Theater bereits gesichert, ferner durch seine Arbeit für das Ospedale degl’ Incurabili, eines der vier hochberühmten „Konservatorien“, also Musikausbildungs– und -ausübungsstätten für  Waisenmädchen.

Der größte Coup von 1730 aber war die Hochzeit: Am 20. Juli wurden Johann Adolf Hasse und Faustina in geheimer Zeremonie getraut: die berühmteste Primadonna ihrer Zeit und der bald auch berühmteste Komponist seiner Zeit...